Wie sich Stellenbeschreibungen von alleine schreiben

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Michael Saggau 22.10.2020

“Wer schreibt schon gerne Stellenbeschreibungen?” Diese Frage hörte ich kürzlich bei einem Webinar für Recruiter und HR-Mitarbeiter - meine Antwort war klar: Ich. Doch woran liegt es, dass das Schreiben einer Stellenbeschreibung oft auf Unwillen trifft und darunter auch leider nur allzu oft die Qualität leidet? Die Stellenbeschreibung ist das Fundament einer jeden Mitarbeitersuche und sollte als dieses auch einen besonderen Stellenwert geniessen.

Schon in meinem letzten Blog-Artikel habe ich dargelegt, wie wichtig eine talentorientierte Stellenbeschreibung ist. “Viele Talente entscheiden sich gegen eine Bewerbung, da ihnen wichtige Informationen in der Stellenbeschreibung fehlen (50%), die Unternehmensbeschreibung nicht realistisch wirkt (53%) oder aber die Stellenanzeige allgemein als unglaubwürdig erscheint (64%).” (siehe hier)

Jede Stellenbeschreibung ist anders (oder sollte es zumindest sein!) und nicht bei jeder habe ich gleichviel Freude beim Schreiben. Informationen über das Unternehmen und das Team sowie ein generelles Verständnis für die Aufgaben und die genutzten Technologien sind für mich genauso wichtig wie Aussagen über die Persönlichkeit und die gesuchten Softskills des gesuchten Talents.

Welche Grundvoraussetzungen braucht es?

Am Anfang einer jeden Stellenbeschreibung sollte immer das Gespräch mit dem Hiring Manager stehen. Neben einer detaillierten Beschreibung der Aufgaben die mit der zu besetzenden Position einhergehen, erfährt man in diesem Gespräch natürlich auch viel über die genauen Anforderungen und über die wichtigen, aber selten in Stellenbeschreibungen genannten, Softskills. Kennt man die Softskillanforderungen kann man nicht nur besser eine Vorauswahl unter den Bewerbenden treffen, man kann auch die Stellenbeschreibung sehr viel präziser auf die gesuchte Zielgruppe ausrichten. Nur wenn man alle wichtigen Entscheidungskriterien kennt, kann man auch gute Vorarbeit liefern.

In der Regel erhält man bereits vor dem Gespräch mit dem Hiring Manager eine Aufstellung der Aufgaben und Anforderungen. Dass es sich dabei nur um ein Copy->Paste handelt, bei dem punktuelle Änderungen vorgenommen wurden, liegt auf der Hand. Sind die Hiring Manager doch nur selten interessiert an “State of the Art Recruiting” - sie wollen Vorstellungsgespräche mit perfekt passenden Talenten, sodass sie am Ende die Qual der Wahl haben und nicht das geringste Übel wählen müssen. Diese Liste sollten man zwingend besprechen und nicht einfach übernehmen. Fast immer kann man vieles aus der Liste streichen (mein Lieblingsbeispiel ist der “Kundenorientierte und kommunikative Sales”) und somit die Stellenbeschreibung bewerbungsfreundlicher gestalten.

Was braucht es noch?

Die Vorteile einer modernen Karriereseite sollten dem geneigten Leser unseres Blogs schon hinlänglich bekannt sein. Von dieser kann man für die zu schreibende Stellenbeschreibung bereits viele Inhalte übernehmen, z.B. die kurze(!) Unternehmensbeschreibung oder die unternehmensweit geltenden Benefits. Weiterhin benötigt man natürlich ein Template, in dem man die Stellenbeschreibung schnell und einfach abfassen kann, welches aber zeitgleich auch so flexibel ist, dass man jederzeit Jobspezifische Anpassungen machen kann. (An den Leser, dessen Unternehmen Stellenbeschreibungen noch als PDF publiziert: Unten kannst Du mich kontaktieren. Gerne erkläre ich Dir unverbindlich, die Unterschiede zwischen PDF und dem Jahr 2020.)

Idealerweise verfügen Sie über ein technologiegestütztes System, welches allgemein gültige Informationen automatisch in Ihre Stellenbeschreibung füllt. Dazu gehören u.a. die Firmenbeschreibung, der Rekrutierungsprozess oder Bilder und Statements der Mitarbeitenden sowie der Standort des Büros. Hinzu kommen die nicht auf den ersten Blick ersichtlichen Vorteile einer professionell erstellten Stellenbeschreibung. Um nur ein paar Stichpunkte zu nennen: SEO (Google for Jobs), Tracking (welcher Kanal bringt die besten Talente) oder Schnittstellen zu Jobportalen.

Die Stellenbeschreibung schreibt sich von allein

Sind die technischen Voraussetzungen erfüllt, so schreibt sich die Stellenbeschreibung fast von allein. Erstrecht, wenn man sich an allgemein geltende Regeln für das Verfassen von Texten hält: kurze Sätze, klare Formulierungen, Vier-Augen-Prinzip. Ein gewisses Grundverständnis der für die zu besetzende Position sollte man natürlich mitbringen. Wer den Unterschied zwischen Java und JavaScript nicht kennt, der sollte auch keine entsprechende Stellenbeschreibung schreiben (etwas Ähnliches sah ich kürzlich bei einer grossen Schweizer Bank).

Fazit

Stellenbeschreibungen sollten nicht überladen werden mit unnötigen Informationen, sondern den KandidatenInnen helfen ein möglichst klares und umfassendes Bild der Vakanz zu bekommen. Dazu gehört ganz besonders auch der Arbeitsalltag und die Arbeitsumgebung. Nur wer sich vorstellen kann, wie die nächsten Monate/Jahre in einem neuen Job aussehen, bewirbt sich auch. Kennt der Autor der Stellenbeschreibung diese Umgebung und versteht er auch die Inhalte des Jobs, so schreibt er Stellenbeschreibungen, auf die sich die passenden Kandidaten bewerben.

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Über den Autor

Michi Saggau ist Relationship Manager bei digitalent. Nach seinen Studien in Geisteswissenschaft, Recht und Politik hat er seine Passion fürs IT-Recruiting entdeckt. Bei digitalent kombiniert er seine Erfahrungen im Umgang mit unterschiedlichsten Menschen mit seiner IT-Affinität und ist speziell für Talente der kompetente Ansprechpartner.

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